FERIENSTADT GEISLINGEN

die älteste Stadtranderholung Deutschlands

Trotz Sauwetter fühlen sich Kinder sauwohl

Diese vier Mädels vertreiben sich die Regenzeit im Zelt mit Brettspielen. Foto: Sabrina Balzer

Diese vier Mädels vertreiben sich die Regenzeit im Zelt mit Brettspielen. Foto: Sabrina Balzer

Es schüttet wie aus Kübeln. Unbeeindruckt vom Wetter verbringen Geislinger Kinder freudig den Tag in der Ferienstadt auf dem Geiselstein. Die kleinen Stadtbaumeister legen halt eine konstruktive Pause ein.

“Meine Lieblingsbeschäftigung in der Ferienstadt ist bauen”, erzählt die zwölfjährige Tamara und spricht damit dem Großteil der jungen Stadtbewohner aus der Seele. Genau das ist aber gestern, bei unaufhörlichem Regen, nicht mehr drin. Die Betreuer wissen, dass das Weiterwerkeln an den Häusern bei diesem Wetter zu gefährlich ist. Deshalb ertönt, sobald die Kinder auf dem Geiselstein angekommen sind, bereits der Ruf: “Ab ins Zelt!” Und jedes Kind sucht sich sofort eine überdachte Tätigkeit.

Wer nun aber meint, dass das nasse Wetter den Jungen die Freude verdirbt, irrt gewaltig: “Man kann trotzdem sehr viel machen”, erklärt die zwölfjährige Svenja. Und tatsächlich finden sich überdachte Bereiche im Essens- und Bastelzelt, im Werkzeugwagen, im Stall und natürlich im Kino der Ferienstadt.

Im Essenszelt wird wetterbedingt der Spielebereich feierlich eröffnet. Hier können die Kinder nun zusätzlich ihre Zeit mit Brettspielen gegen die Betreuer verbringen.

Im Bastelzelt herrscht hohe Betriebsamkeit. Hier wird unter anderem an Lederbeuteln und “Schlupfpüppchen” gearbeitet. Auch das Kino, das nur an Regentagen geöffnet ist, genießt hohe Popularität bei den Ferienstadtbewohnern. Zu großer Zahl sitzen sie in dem abgedunkelten Holzwagen und sehen wie gebannt auf die Leinwand, auf der sich gerade “Ronja Räubertochter” abspielt. “Ich bin immer hier, wenn ein gescheiter Film läuft”, sagt der zehnjährige Daniel. Er und der ebenfalls zehnjährige Eric sind am liebsten im Kino, falls sie das Wetter zwingt, die Dächer ihrer Häuser zu verlassen. Auch im Stall kann man es sich bequem machen, die Tiere füttern und sich gegenseitig Geschichten vorlesen. Je nach Charakter oder Laune kann man diese geborgene Atmosphäre auch gegen eine abenteuerlichere tauschen. Im Werkzeugwagen beispielsweise ist ein Feuer entfacht, das die Aufmerksamkeit vier strammer Burschen auf sich zieht. Unter der Aufsicht eines Betreuers tollen sie jodelnd um die Feuerstelle und versuchen, mit allerlei brennbarem Material den Flammen zu imposanterer Größe zu verhelfen.

“Heute Nachmittag findet eine Mini Playback Show statt”, erzählt Betreuer Julian Holtz. Noch ein Grund für die jungen Ferienstadtbewohner, trotz Regen jede Minute auf dem Geiselstein zu genießen.

Aylin Eyüpoglu, Geislinger Zeitung

Unbegrenzte bunte Ferienwelt

GZ-Kommentar von Joanna Stolarek:

Wie langweilig und trostlos wären wohl die Sommerferien für viele Menschen ohne die zahlreichen Angebote in und um Geislingen. Ob Ferienstadt, Abenteuerdorf, Waldheim, eines der Zeltlager, Schülerferienprogramm oder Sommer der Verführungen – das Freizeitangebot beeindruckt. Die Organisatoren leisteten wieder mal ganze Arbeit, um den Kindern und Jugendlichen ein solides thematisch anspruchsvolles Ferienprogramm anzubieten.

Klar können die Skeptiker sagen, es sei ja jedes Jahr dasselbe, so ein Ferienlager – eine Aufbewahrungsstätte für Kinder berufstätiger Eltern. Weit gefehlt! Zwar freuen sich die arbeitenden Mamas und Papas, wenn der Nachwuchs versorgt und gescheit unterhalten wird, keine Frage. Aber es geht um viel mehr, als nur das.

Es geht um Abenteuer, Freundschaft, Spiel und Spaß. Aber auch um Verantwortung, Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl. Das gemeinsame Erlebnis steht im Vordergrund der Feriencamps und -programme. Hier findet man Freunde fürs Leben, hier heißt es, zu lernen, was Teamgeist ist, was es bedeutet aufeinander zu achten, sich zu respektieren. Hier können die Kinder sich zusammen eine Welt aufbauen, selbstständig sein und werden, Regeln aufstellen und befolgen und vieles mehr.

All das ist möglich, weil viele engagierte Menschen sich in ihrer Freizeit für die Kinder und Jugendlichen einsetzen. Ehrenamtlich, mit viel Herzblut und Elan. Sie arbeiten komplette Programme aus, beugen mit Aktionen und Mitmachangeboten gegen eventuell aufkommende Langeweile vor, wissen die kleinen Abenteurer da abzuholen, wo sie gerade sind. Sie sprechen Themen an, die bewegen. So lernen die Kinder bei Spiel und Spaß auch etwas fürs Leben. Für manche ist es die einzige Chance, echte Strukturen eines Zusammenlebens kennenzulernen.

Die Betreuer sind für ihre Schützlinge da, stehen ihnen mit Rat und Tat in jeder Situation zur Seite. Viele von ihnen begannen ihre “Karriere” als Teilnehmer eines solchen Ferienlagers. Die guten Erfahrungen bringen sie nun zurück. Sie möchten das weitergeben, was sie selbst erfahren haben.

Das war möglich, weil es schon immer Menschen gab, die sich für andere einsetzten. Nicht in fernen Ländern, sondern direkt hier in ihrer Heimat. Im Kleinen leisten sie Großes, ohne dafür großen Dank zu erwarten. Ihr Engagement zahlt sich in der künftigen Generation aus. Davon zeugen nicht nur die leuchtenden glücklichen Kinderaugen nach einer Woche im Ferienlager.

Stadträte zu Besuch in der Ferienstadt

CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Scheible (links) und Stadtrat Peter Maichle spendeten für die Ferienstadt einen Fußball, den Sarah Czermin freudestrahlend entgegennahm.

CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Scheible (links) und Stadtrat Peter Maichle spendeten für die Ferienstadt einen Fußball, den Sarah Czermin freudestrahlend entgegennahm.

Tradition ist der jährliche Besuch der Ferienstadt auf dem Geiselstein durch Mitglieder des Gemeinderats, die sich für dieses spezielle Schülerferienangebot des Stadtjugendrings interessieren und sich bei dieser Gelegenheit auch davon überzeugen können, dass der städtische Zuschuss gut angelegt ist. Als Vertreter der CDU-Fraktion ließen sich die Stadträte Holger Scheible und Peter Maichle von einer kundigen jungen Stadtführerin alle Einrichtungen zeigen. Von den Betreuern erfuhren sie Einzelheiten der Programmgestaltung, und sie wurden über die aufwendige Vorbereitung und die tägliche Organisation informiert, die notwendig ist, damit für die rund 160 Kinder alles rund läuft.

Den Termin ihres Besuchs hätten die Stadträte nicht besser wählen können, startete doch gerade zu diesem Zeitpunkt ein Fußballturnier, für das der als Geschenk überbrachte Fußball bestens gebraucht werden konnte. Sarah Czermin, Mitglied des Leitungsteams, bedankte sich im Namen der Kinder dafür ebenso herzlich wie für den Kuchen, der den engagierten Betreuerinnen und Betreuern das Ferienstadtleben versüßen sollte.

Eine ausgelassene Welt in Kinderhand

Eine Stadt für sich ist die Ferienstadt auf dem Geiselstein. Fotos: son

Eine Stadt für sich ist die Ferienstadt auf dem Geiselstein. Fotos: son

Die Ferienstadt auf dem Geiselstein gibt es in diesem Sommer seit 30 Jahren. 160 Kinder “arbeiten” momentan Hand in Hand an der Gestaltung ihrer Häuser und haben Spaß am Leben draußen in der Natur.

Normalerweise ist das Betreten der Ferienstadt auf dem Geiselstein oberhalb von Geislingen für Eltern, Wanderer und andere Interessierte nicht gestattet. “Höchstens für zehn Minuten”, verkündet ein kleines, blondes Mädchen mit ernster Miene. “Für euch mache ich heute eine Ausnahme,” sagt sie dem GZ-Team. Dann öffnen sich die Tore und eine ausgelassene Welt in Kinderhand tut sich auf.

Das Gelände des Städtchens ist bedeckt von unzähligen, aus Holzbrettern gebauten Häusern. Jedes einzelne ist der Stolz seiner jungen Besitzer, die es eigenhändig erbaut haben und Tag für Tag weiter dran feilen. “Alles wächst nach und nach in die Höhe”, erzählt die elfjährige Jacqueline. Und tatsächlich besitzt das ein oder andere Gebäude bereits ein Obergeschoss. Je höher das Haus einer Gruppe ist, desto atemberaubender wird die Aussicht von dessen Dach aus auf den gesamten Platz. Dort tummeln sich gerade zirka 160 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren. 30 geschulte Betreuer stehen von morgens bis abends für alle Fragen und Probleme der Kinder zur Verfügung. Sie sorgen auch für die Verpflegung, Unterhaltung und gegebenenfalls Verarztung der kleinen Stadtbewohner.

Sobald der Ruf “Werkzeugabgabe” erschallt, wissen alle: Jetzt gibts Essen. Pünktlich um 13 Uhr versammelt sich die ganze Stadt im Esszelt, über die Speisekarte wurde zuvor abgestimmt. “Was übrig bleibt, bekommen die Schweine”, berichtet die neunjährige Marie.

Die Schweine gehören zu einem kleinen Bauernhof, der außerdem aus Pferden, Gänsen, Hühnern, Schafen und Ziegen besteht. “Tiere ziehen Kinder besonders an”, weiß die elfjährige Inga und hat damit sicherlich schon eines der Erfolgsrezepte der Ferienstadt durchschaut. Das mindestens einmal pro Tag geöffnete Farbenhaus bietet den Kindern die Möglichkeit, Häuser und Namensschilder für Tiere in ihren Lieblingsfarben zu gestalten. So prangen beispielsweise am Hasenstall die Namen “Hoppel” und “Schnuffel”, auch über sie durfte abgestimmt werden. Das ist Demokratie pur.

Es gibt auch einen Bauernhof. Fotos: son

Es gibt auch einen Bauernhof. Fotos: son

Bei der Pflege und Verpflegung der Tiere packen die Ferienstädter kräftig mit an. Unter der Aufsicht der Betreuerin im Tierbereich, Stefanie Weida, striegeln und bürsten die jungen Tierfreunde die drei brauen Pferde, damit am Nachmittag ausgeritten werden kann.

Tischtennisplatten, Fußballturniere und Hindernisparcours bringen zusätzlich Spannung in das naturverbundene Leben der Kinder auf dem Geiselstein. Und falls es einmal das Wetter nicht so gut mit den Ferienstädtern meint, dann gibt es immer noch den Kinowagen, der mit lustigen Filmen die Regenwolken vertreibt. “Die Kids sind jeden Tag hier oben, egal wie das Wetter ist und immer mit einem Lächeln in ihren Gesichtern. Wir Betreuer lernen von ihnen, immer gute Laune zu haben, unabhängig vom Wetter”, sagt Thomas Wulf, pädagogischer Begleiter in der Ferienstadt.

Oft melden sich Teilnehmer von vorneherein gemeinsam an, ziehen in dasselbe Haus und verbringen dann ihre Freizeit im gewohnten Umkreis. Ebenso bietet die Ferienstadt aber auch die Gelegenheit, viele andere Gleichaltrige kennenzulernen: “Besonders beim gemeinsamen Hausbau oder wenn man ein Werkzeug ausleiht, kommt man ins Gespräch”, wissen Jacqueline und Inga aus eigener Erfahrung.

Info:

Am Sonntag findet in der Ferienstadt der “Tag des offenen Tors” statt, zu dem alle eingeladen sind. Kinder können auf einer Spielstraße ihr Geschick unter Beweis stellen. Außerdem sind für die dritte und letzte Woche der Ferienstadt noch Plätze frei. Von der Ferienstadt hat unser Fotograf auch eine Bildergalerie ins Netz gestellt, einfach reinklicken unter www.geislinger-zeitung.de

Aylin Eyüpoglu, Geislinger Zeitung

Tag des offenen Tores 2010

Am Sonntag, 29. August 2010, findet von 14 bis 17 Uhr der Tag des offenen Stadttores für alle Eltern und Interessierten statt. Los gehts mit einem Lied der Betreuer, danach zerschneidet der Gemeinderat der Ferienstadt das Band und es gibt Führungen durch das Gelände und ein Programm für Kinder.

Für Essen und Trinken ist gesorgt.
Schaut Euch alle die Stadt, die die Kinder gebaut haben, an und genießt einen schönen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, Wurst oder Steak…