
Ausblick vom Stadttor: Jeden Tag erweitern die Kinder ihre Ferienstadt mit neuen Häusern. Fotos: Markus Sontheimer
Auch diesen Sommer wird auf dem Geiselstein wieder die “Freie Republik Ferienstadt” ausgerufen. Für ihre Bewohner bedeutet das drei Wochen Freiheit, Natur, spielen und natürlich Häuser bauen.
Einfach auf eigene Faust hereinspazieren können Eltern und Neugierige nicht in die Ferienstadt. Am Ortsschild ist für Erwachsene erst einmal Schluss; schließlich ist die “Freie Republik” fest in Kinderhand. Aber Stadtführerinnen wie Jacqueline und Inga – beide zwölf Jahre alt und schon seit 2007 jedes Jahr auf dem Geiselstein dabei – geben Besuchern gerne eine geführte Tour durch ihr Reich.
Brütende Hitze herrschte gestern Nachmittag auf dem Ferienstadtgelände, aber trotzdem ließen es sich die meisten der Kinder – in dieser Woche sind es 167 – nicht nehmen, eifrig an ihren Holzhäusern zu bauen. Ein bisschen Schwund habe es an diesem Hochsommertag gegeben, räumt Betreuer Thomas Wulf ein: “Manche Kinder wollten heute einfach lieber ins Freibad.” Dabei gibt es in der Ferienstadt eine prickelnde Alternative: Man kann sich auf Wunsch mit dem Hochdruckreiniger abspritzen lassen.
Besteigt man aber das beeindruckende “Stadttor” – einen verwinkelten dreistöckigen Wachturm aus Holz – und blickt hinab auf das Ferienstadtgelände, ist von hochsommerlichem “Schwund” nichts zu bemerken. Holzhütte reiht sich an Holzhütte, überall wird gesägt und gehämmert was das Zeug hält. Während die diese Woche neu dazugekommenen Kinder noch dabei sind, das Grundgerüst ihres Hauses zusammenzunageln, erweitern andere ihre Bude schon mit einem Anbau oder einem zweiten Stockwerk. Bevor die Häuser zur uneingeschränkten Nutzung freigegeben werden, werden sie vom “TÜF” – dem “Technischen Überwachungsdienst Ferienstadt” – auf Stabilität und Sicherheit überprüft. Erst dann gibt es die begehrte “TÜF”-Plakette. “Die Betreuer nehmen die Überprüfung sehr ernst”, betont Stadtführerin Jacqueline. Wer sich eine Auszeit von den Bauarbeiten nehmen will, muss sich in der Ferienstadt gewiss nicht langweilen. Im Bastelzelt wird jeden Tag ein neues Thema kreativ umgesetzt. Auch an Accessoires zur Gestaltung der Inneneinrichtung der Hütten oder an Namens- und Nummernschilder für die Fassade wird hier viel und gern gearbeitet. Ein Zelt – die Tobeecke – haben die Betreuer mit Matratzen und Kissen ausgelegt. Hier kann – unter den wachsamen Augen der Betreuer – bis zur Erschöpfung getobt und gerangelt werden. Auch Gelände und Versteckspiele im Wald sorgen für Abwechslung im Stadtalltag.
Eine weitere Attraktion der Ferienstadt ist der “Bauernhof”. Nicht nur Gänse, Hühner und Kaninchen tummeln sich am Rande des Geländes in ihren Gehegen, es gibt sogar Koppeln mit Schafen, Eseln und Pferden. “Es findet sich eigentlich immer ein Freiwilliger, der die Ställe gerne ausmistet”, erzählt Stadtführerin Inga.
Nur die Teilnahme an den Rahmenveranstaltungen wie den gemeinsamen Morgen- und Abendkreisen und dem Mittagessen ist inder Ferienstadt verpflichtend. “Sonst muss hier niemand etwas machen, was er nicht möchte”, sagt Betreuer Thomas Wulf. Der “Baubereich” gefällt Jacqueline und Inga am besten. Auch nächstes Jahr möchten sie auf dem Geiselstein wieder mit dabei sein.
Stefanie Schmidt, Geislinger Zeitung