Unter Schirmen und Planen
Die Hartgesottenen waren schon ab 2 Uhr nachts auf dem Flohmarktgelände. Andere warteten den Regen ab und tauchten später auf. Doch entgehen lassen wollte sich den Tag der Jugend keiner.
“Alles für einen Euro”, ruft das Mädchen und zieht damit eine ganze Traube von Schnäppchenjägern an. Wie all die anderen Hartgesottenen, die zum Teil schon ab 2 Uhr nachts trotz Regenschauern die besten Plätze im Notzental “besetzt” hatten, freut sich die junge “Geschäftsfrau” am regen Interesse der vielen Besucher.
Weder diese noch die Verkäufer ließen sich gestern vom Wetter “ihren” Tag der Jugend vermiesen und boten der nasskalten Witterung mit Schirmen, Planen und Pavillons sowie warmen Decken und Jacken erfolgreich Paroli.
Dass das Wetter grundsätzlich eine Sache der Perspektive ist, zeigte auch die Aussage eines Besuchers, für den das Wetter “absolut ideal” war: “Nicht so drückend heiß wie vor zwei Jahren. Nicht so übervoll wie sonst und man kann gemütlich schlendern und stöbern.”
Immer wieder mogelten sich auch Sonnenstrahlen ins Tagesgeschehen, die Kunden feilschten und handelten, eine kleine Verkäuferin weinte bitterlich, als ihr Spielzeug – das sie laut ihrer Mama seit Monaten keines Blickes mehr gewürdigt hatte – verkauft werden sollte.
Doch ansonsten gab es im Notzental gestern vorwiegend lachende Gesichter. Bei Verkäufern und zufriedenen Kunden genauso wie bei den Mitgliedern des Stadtjugendrings, die in ihren Zelten und Pavillons erfolgreich gegen Hunger und Durst angingen. Der Appetit stellte sich beim Duft von türkischen Hackfleischspießen hier, asiatischen Wok-Gerichten dort, deutscher Currywurst mit Pommes oder französischen Crêpes am nächsten Zelt automatisch ein.
Die meisten “Durstigen”, die vom Hock aus direkt zur offiziellen Opening-Party im Stadtjugendring-Zelt getorkelt waren, hatten sich da schon größtenteils verzogen, um ihren Rausch auszuschlafen. Vielleicht auch, um ihre Blessuren aus der nächtlichen “Bobbycar-Rallye auf der Parkstraße” verarzten zu lassen.
Kontrastprogramm bot um 10 Uhr der ökumenische Gottesdienst – ebenfalls im Stadtjugendringzelt. Hier war das Interesse so groß, dass manche nur noch Stehplätze ergatterten. Nachmittag und Abend standen ganz im Zeichen der Musik: Geislinger Nachwuchsbands, die Hip-Hop-Tanzgruppen von Jorge und Leslie Gonzalez, Türk-Indie-Rock, Showtanz und Folklore ab 12.30 Uhr, Rockiges von “Dezemberkind”, “Johnny Rocket”, “The Black Pony” und “Benzin” abends auf der Hauptbühne und Hip-Hop, “Crash” sowie “Kwest” auf dem Bolzplatz heizten den Besuchern kräftig ein.
Und auch die Kinder kamen nicht zu kurz: Eine Spielstraße und großes Mitmachprogramm hatte der Stadtjugendring speziell für sie konzipiert. So war für alle etwas geboten und das Wetter spielte keine so große Rolle mehr.




